10.05.2010

Von Suche und Sucht- ein Theaterstück über eine Alltagsdroge

Stimmengewirr am Montagmorgen in der Stadthalle Calau. Doch nicht der Sportunterricht der Grundschule steht heute auf dem Programm. Die Robert-Schlesier-Oberschule empfängt im Rahmen eines Projekts der Fächer Deutsch und LER organisiert von Frau Horschig –Fachleiterin Deutsch- eine Theatergruppe: den „Weimarer Kulturexpress“ mit dem Stück „Alkohol“ von Patric Tavanti.

Gespannt schauen die Schüler: Ein Stück über Alkohol. Wird es den berühmten erhobenen Zeigefinger geben? Der Untertitel zeigt, es geht um mehr. Es ist ein „Stück über Sehnsucht, die Suche und die Sucht“

Die beiden Hauptpersonen könnten zu Beginn unterschiedlicher nicht sein- Steffi, die „Streberin“, deren Mutter nie Zeit für sie hat, trifft während einer Party auf Stefan, der der übergroßen Liebe seiner Mutter und den Belehrungen und der Strenge seines Vaters entflieht. Trotz der Warnungen ihrer besten Freundin lässt sich Steffi mit ihm in und will anfangs nichts von Stefans Alkoholproblem wissen. Doch nach und nach rutscht sie mit ihm ab in einen Kreislauf aus Trinken, Ernüchterung „Ich bin doch keine Loserin“, verbunden mit dem halbherzigen Versuch, sich doch noch zu retten, und doch wieder Trinken. Sie bekommt die Chance, dem Teufelskreis zu entkommen. Doch letztlich ist sie nicht stark genug- das Stück endet tragisch.

Und trotzdem ist die Geschichte hier nicht zu Ende. Für die Schüler bleibt offen, wie es weitergeht, ob die Beiden es schaffen werden. In der anschließenden Diskussion wird deutlich, dass die Schüler die Figuren durchaus kritisch sehen. So meint Alexandra (14), dass schließlich aber jeder letztlich für sich selbst verantwortlich ist.

Das Stück zeigt mögliche Antworten auf die Frage nach dem Warum: Stefan und Steffi suchen Anerkennung von „Freunden“ und Zuneigung und Verständnis bei den Eltern. Mit Alkohol verbinden sie alles: Spaß, das Gefühl von Freiheit, Geborgenheit.

Das Stück spricht mit einfachen Mitteln ein schwieriges Thema an. Und die Schüler gehen mit. Manchmal könnte man eine Stecknadel fallen lassen, so still ist es. Und im nächsten Moment ein befreiendes Lachen. Das Nachdenken über eigene Erfahrungen beginnt.

Und so mancher denkt beim Verlassen des Saales an den einen oder anderen Bekannten, dem er von diesem Stück erzählen möchte.  

A. Heise

Presseecho Lausitzer Rundschau